11.03.2021

Druckerei Sandler: Mit dem CoBo-Stack von drei auf zwei Schichten

 
 
 
Hannes Sandler, Geschäftsführer der Johann Sandler GesmbH & Co KG.
 
Der kollaborative Roboter CoBo-Stack von MBO hat bei Sandler den Falzprozess deutlich effizienter gestaltet.
 
90 Prozent der Signaturen werden auf den K8RS-Maschinen von MBO gefalzt.

Hannes Sandler ist Realist. Die Corona- Krise wird uns noch eine ganze Weile  begleiten, davon ist der Geschäftsführer der österreichischen Druckerei Johann Sandler GesmbH & Co KG mit Sitz in Marbach an der Donau, überzeugt. Ein Jahr noch, schätzt er. Dann … ja, dann darf es wieder losgehen. 

Und bis dahin? Bis dahin wird weitergemacht. Den Kopf in den Sand zu stecken, ist definitiv nicht Sandlers Stil. Die Druckerei mit ihren 70 fest angestellten Mitarbeitern hat in den letzten Monaten ein Investitionspaket von über dreizehn Millionen Euro geschnürt. Investiert wurde unter anderem in Sachen Nachhaltigkeit: Der Fuhrpark wurde teilweise durch neun Elektrofahrzeuge ersetzt, die dafür erforderlichen Schnellladestationen (bis zu 150 kW) werden zukünftig mit Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage gespeist. Darüber hinaus wurde die Produktionstechnik um zwei neue Druckmaschinen erweitert sowie massiv in die Druckweiterverarbeitung investiert.
 
Investition trotz Corona
Dabei haben Corona und die damit verbundenen Maßnahmen der Druckerei ziemlich zugesetzt. „Wir sind sehr stark in der Tourismusbranche unterwegs, drucken viel für den Non-Food-Einzelhandel, für die Möbel- und die Automobilindustrie“, berichtet Hannes Sandler. „Von heute auf morgen wurde fast alles storniert.“ Der März 2020 war ein Rekordmonat, der April dann der schlechteste Monat in den letzten 20 Jahren. Von April bis Juni habe das Unternehmen rund 60 Prozent an Umsatz verloren. 
 
Trotzdem blieb Sandler bei seinem Investitionsvorhaben. „Wir stehen finanziell auf einem sehr soliden Fundament“, erklärt Sandler die Entscheidung. „Wir hatten im letzten Geschäftsjahr eine Eigenkapitalquote von über 65 Prozent. Zudem haben wir gesagt: Wir glauben an die Branche. Wir glauben daran, dass es wieder weitergeht und wir werden investieren.“ 
 
Dabei ging es vor allem darum, dran zu bleiben und nicht plötzlich einen Investitionsstau vor sich herzuschieben, denn die Leistungsfähigkeit der Druckerei basiert nicht zuletzt darauf, dass sämtliche Prozesse ohne Reibungsverluste nahtlos ineinandergreifen. Auf Effizienz zu setzen oder, um es salopp auszudrücken, darauf, dass nirgendwo Zeit verplempert und das Personal klug eingesetzt wird.
 
Immerhin zählt Sandler nach eigenen Angaben zu den fünf größten Bogenoffsetdruckereien in Österreich und ist auf große Auflagen spezialisiert. Drei lange Wendemaschinen aus dem Hause Heidelberg drucken in Marbach, die alle mit CutStar-Rollenanlegern sowie einer entsprechenden Logistik ausgestattet sind. Der Output dieser Maschinen wird zu Signaturen gefalzt und auf zwei großen Sammelheftern sowie einem leistungsstarken Klebebinder von Müller Martini zu Broschüren, Magazinen und Katalogen in hohen Auflagen verarbeitet. 
 
„Wir haben beide Varianten gegengerechnet“, sagt Sandler. „Was kostet uns eine langsamere Maschine, mehr Personalaufwand, mehr Überstunden gegenüber einer produktiveren Maschine und stabilerem Produktionsprozess.“ Die Rechnung fiel eindeutig aus."
 
Investitionsbedarf sah der Firmenchef vor allem im Bereich Falzen. Wenn Sammelhefter und Klebebinder vernünftig ausgelastet werden sollen, darf das Falzen nicht zum Nadelöhr werden. Hinzu kommt das bekannte Problem des Fachkräftemangels, mit dem auch Sandler zu kämpfen hat. 
 
In drei Schichten wurde bis dato gefalzt, mit je zwei Mitarbeitern pro Schicht. „Aber wenn Sie dreischichtig fahren, dann haben Sie teilweise nur Helfer an der Maschine stehen, weil es an ausgebildeten Kräften fehlt“, sagt Hannes Sandler. "Ich würde sofort mehrere Buchbinder einstellen, aber es sind keine zu bekommen.“ Die Lösung sieht Sandler in der Automatisierung: „Wir haben uns gefragt: Was können wir tun, um den Beruf des Buchbinders wieder attraktiver zu machen? Acht Stunden lang Pakete von der Auslage zur Palette zu befördern, ist keine Buchbinderarbeit.“ Dennoch brauche man jemanden, der das Potenzial der Maschine ausreizen und die Qualität sicherstellen könne. „Die einzige Möglichkeit liegt aus meiner Sicht darin, diese schweren, monotonen Jobs an eine Maschine auszulagern.“
 
Von drei auf zwei Schichten
Ursprünglich hatte das Unternehmen den Plan gehabt, sich auf der Drupa umzusehen und dort die „Einkaufsliste“ zusammenzustellen. Doch schon Ende Februar 2020 war für Sandler abzusehen, dass eine Drupa in der üblichen Form nicht würde stattfinden können – weshalb der Firmenchef seine eigene private Drupa organisierte. 
 
In einer 14-tägigen Tour klapperte das Unternehmen seine wichtigsten Lieferanten ab. Zurück kam man mit der Entscheidung für zwei Kombifalzmaschinen K8RS von MBO inklusive MBO KT90 Kurventische – und zwei Abstapelroboter CoBo-Stack, die im Herbst des vergangenen Jahres installiert wurden. Knappes Fazit: Seitdem spart Sandler eine Schicht beim Falzen und benötigt nur noch einen Mitarbeiter für beide Falzmaschinen. Dabei laufen diese noch nicht einmal auf Hochtouren, wie Sandler sagt. Eigentlich schaffen die K8RS-Maschinen 275 m/min, oder anders ausgedrückt 18.000 Bogen 16-Seiter A4 pro Stunde. „Aktuell laufen sie konstant über 10.000 Bogen/h“, berichtet Sandler. Das reiche für den Moment aus und der Prozess sei unglaublich stabil. 
 
90 Prozent dessen, was auf Sammelhefter und Klebebinder verarbeitet wird, kommt seitdem von den MBO-Maschinen.  „Wir haben den großen Luxus, sehr viele Falzmaschinen zu haben und so falzartenbezogen die Maschinen ausrichten zu können, ähnlich wie ein Onlinedrucker“, sagt Sandler. „So müssen wir kaum noch rüsten. Zu 90 Prozent falzen wir 16-Seiter auf den beiden MBOs.“ Die beiden identischen Falzmaschinen sind gespiegelt aufgestellt. Mit Hilfe der Kurventische werden die gefalzten Signaturen so umgeleitet, dass beide Auslagen und beide CoBo-Stacks nah beieinander stehen. Durch diese Verringerung der Laufwege schafft es nun ein Mitarbeiter, beide Falzmaschinen gleichzeitig zu bedienen. Das Abstapeln übernehmen die beiden Cobots. Der Buchbinder ist für die Bedienung der Maschine, die Qualitätsüberwachung sowie die Logistik drumherum zuständig. Gerade diesen Aspekt hebt Hannes Sandler besonders hervor: „Es macht den Buchbindern wieder Spaß zu falzen“, freut er sich. Davor sei das Falzen eine recht undankbare Aufgabe gewesen, was sich durch den CoBo-Stack um 180 Grad gewandelt habe. „Jetzt wollen die Leute auf diesen Maschinen wieder arbeiten.“
 
Auch sonst ist Hannes Sandler hochzufrieden: „Der Vorteil des CoBo-Stack ist, dass er so unglaublich flexibel ist. Er braucht kaum mehr Platz, als wenn ein Mitarbeiter dort stünde. Und da er ohne Käfig auskommt, kann man jederzeit schnell eingreifen. Er läuft jeden Tag die vollen zwei Schichten.“ 
 
Automatisierung als Philosophie 
Die beiden neuen Falzmaschinen sowie die beiden CoBo-Stacks bedeuteten einen gewaltigen Produktivitätsfortschritt für Sandler. Darüber hinaus geht es dem Firmenchef darum, eine zuverlässige und gleichbleibend hohe Qualität sicherzustellen. Auch soll die Arbeit an den Maschinen so ergonomisch und schonend für die Mitarbeiter wie möglich  gestaltet werden. Insofern hat das Thema Automatisierung bei Sandler einen  hohen Stellenwert und ist mehr als ein reines Rechenmodell. Das hat schon mehr mit Firmenphilosophie zu tun und zeigt sich auch in der übrigen Austattung der Druckerei. 
 
So produziert im Drucksaal seit November eine Heidelberg-Druckmaschine der neuesten Generation mit autonomem Drucken, eine zweite Maschine mit 14 Werken wird bis zum Sommer installiert werden. Ebenso gehörten zum jüngsten Investitionspaket neben den neuen Falzanlagen und den CoBo-Stacks auch insgesamt fünf automatische Auslagen von Palamides, die teilweise an den weiteren Falzmaschinen sowie an den beiden Sammelheftern zum Einsatz kommen. 
 
Im Schneidbereich arbeitet Sandler seit etwa zwei Jahren mit insgesamt zwei Polar-Pace-Anlagen mit Hintertischbeschickung.  Für den Bereich Bohren kommt jetzt noch eine automatische Dürselen-Bohranlage hinzu, die vollautomatisch beschickt wird. Ebenso wird eine automatische Einsteck-, Zusammentrag- und Verpackungsanlage von  Hugo Beck installiert, die auch Folie auf Stärkebasis verarbeiten kann und mit einer LED-Inkjet-Anlage ausgestattet ist. 
 
Die Vernetzung ist ein wichtiges Thema für die Druckerei. Aber bis jetzt, so Hannes Sandler, habe das Unternehmen noch kein System gefunden, „das alles abdeckt“. Vermutlich müsse man dieses Thema mit einem eigenen Programmierer in die Hand nehmen. Dranbleiben, lautet die Devise! 
 
Über die Johann Sandler GesmbH & Co KG
Johann Sandler ist eine vollstufige Druckerei/Buchbinderei im österreichischen Marbach an der Donau. Das Familienunternehmen wurde 1982 gegründet und wird heute in zweiter Generation von Hannes Sandler geführt. Die Druckerei arbeitet mit 70 fest angestellten Mitarbeitern auf einer Produktionsfläche von ca. 8.000 m² überwiegend im hochvolumigen Segment. Millionenauflagen gehören zum Tagesgeschäft, ein wichtiger Markt für Sandler ist Deutschland. Neben klassischen Akzidenzen wie Magazinen, Kataloge und Broschüren bietet das Unternehmen die Verpackungs- und die Mailingproduktion sowie ein breites Spektrum in der Druckveredelung an. Im Drucksaal produziert Sandler mit drei Druckmaschinen mit insgesamt 32 Druck- und Lackwerken, komplett mit Rollenanleger und Logistik. Die Weiterverarbeitung besteht aus elf Falzmaschinen, zwei Sammelheftern, einem Klebebinder, drei Schneidstraßen, zwei Faltschachtelklebemaschinen, fünf Stanzmaschinen, zwei Mailingstraßen, zwei Kuvertierstraßen  sowie Spezialfalzmaschinen mit 16 Falztaschen. Neu hinzu kommen jetzt unter anderem eine vollautomatische Bohranlage sowie eine Verpackungsanlage, die Folie auf Stärkebasis verarbeitet. 
 
50.000. Roboterarm
Kollaborative Roboter wie der Cobo-Stack sind auf dem Vormarsch in der Industrie. Das dänische Unternehmen Universal Robots, welches auch die Technik für den MBO CoBo-Stack liefert, hat Ende des vergangenen Jahres seinen 50.000 Roboterarm ausgeliefert. Nach Angaben von Universal Robots gilt die kollaborative Robotik in der industriellen Automatisierung als eines der am schnellsten wachsenden Segmente mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von 30,37 % bis 2025. Universal Robots zählt sich dabei zu den Marktführern. Universal Robots habe von Anfang an das Ziel verfolgt, vor allem kleine und mittlere Unternehmen bei der Automatisierung von Aufgaben zu unterstützen, von denen sie dachten, sie seien zu kostspielig oder zu komplex, so Jürgen von Hollen, Präsident von Universal Robots. 
 
Der Original-Artikel ist im Deutschen Drucker vom 11.03.2021, Ausgabe 3, auf den Seiten 12-14 erschienen.
 
Sehen Sie hier ein Interview mit Hannes Sandler, das im Sommer 2020 entstanden ist:

 

 
 
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